Was denkst du darüber, wenn deine Tochter online postet?

 

Ich sage nicht, dass Mädchen niemals sicher online posten können. Aber es ist wichtig, sich der Auswirkungen bewusst zu sein und dabei Alter, Reifegrad und Motivation zu berücksichtigen.

Ein paar Dinge, die du bedenken solltest, wenn deine Tochter „lustige“ Videos online stellt.

Wenn deine Tochter YouTube, TikTok oder Instagram nutzt, ist sie vermutlich schon auf andere Mädchen in ihrem Alter gestoßen, die ein „Get Ready With Me!“-Video machen. In diesen Videos filmt sich ein Mädchen typischerweise dabei, wie es sich morgens fertig macht.
Vielleicht hat sie auch alberne TikToks gesehen, in denen Mädchen tanzen oder zu lustigen Songs Lippen synchronisieren, oder wie sie Spielsachen auspacken und damit spielen.

Solche Videos können unterhaltsam sein, und vielleicht hat deine Tochter sogar schon gefragt, ob sie selbst solche Videos machen und posten darf – inspiriert von dem, was sie bei anderen gesehen hat. Das mag unschuldig erscheinen, und die Videos sind sicher wirklich süß – doch es gibt ein paar Dinge, die Eltern beachten sollten, bevor sie ihren Töchtern erlauben, Inhalte online zu teilen.

1. Das Potenzial für Vergleiche

Stell dir vor, deine Tochter macht eine ähnliche Erfahrung – doch ihr Gehirn ist noch nicht vollständig entwickelt. Das kindliche Gehirn ist besonders empfänglich für Vergleiche und Gruppenzwang:

  • „Wie gut kommt mein Video an?“
  • „Warum hat sie mehr Likes als ich?“
  • „Ugh, sie ist so viel hübscher als ich… vielleicht hilft dieser Filter.“

Laut einer Studie namens The Girls’ Index sagen 57% der Schülerinnen von der 5. bis zur 12. Klasse, dass soziale Medien sie dazu bringen, ihr Aussehen verändern zu wollen. Das Dove Self-Esteem Project zeigte, dass 80% der jungen Mädchen bis zum Alter von 13 Jahren bereits Filter oder Retuschier-Apps genutzt haben.
Essstörungen haben sich weltweit im letzten Jahrzehnt verdoppelt – und soziale Medien spielen dabei zweifellos eine große Rolle.

Wir sollten uns fragen:
Sind unsere Töchter bereit für den Druck, den der Vergleich auf sozialen Plattformen mit sich bringt – wenn wir als Erwachsene oft schon damit kämpfen?


2. Das Potenzial, fragwürdige „Bewunderer“ anzuziehen

Kinder-Influencer-Accounts gewinnen oft schneller Follower als andere Konten.
Eine Untersuchung der New York Times zeigte, dass von 5.000 untersuchten Konten junger Mädchen 32 Millionen Verbindungen zu männlichen Followern bestanden.

Ich denke, ich muss diesen Punkt nicht lange erklären – aber:
Pädophile sind im Internet, sie sind raffiniert, und Kindesgrooming ist auf einem Allzeithoch.
Sie wissen genau, wie sie dein Kind täuschen können – und wie sie es auf andere, verstecktere Plattformen locken.

Hat dein Kind das Wissen und die geistige Reife, um so jemanden zu erkennen? Weiß es, was zu tun ist? Würde es zu dir kommen?
All das sind entscheidende Fragen.

 


3. Das Potenzial für äußere Bestätigung

Likes. Follower. Kommentare. Shares.

Studien zeigen: Jugendliche sind deutlich sensibler für soziales Feedback als Erwachsene – ihr Gemütszustand wird stärker von einer Reduktion an Likes beeinflusst.
Der Wunsch nach Bestätigung kann dazu führen, dass extremere Inhalte gepostet werden – denn Follower langweilen sich schnell.
Schlimmstenfalls beginnt dein Kind, seinen Selbstwert von der Meinung anderer abhängig zu machen. Auch Mobbing kann geschehen, was für das Selbstwertgefühl eines Kindes verheerend sein kann.

  • Wie steht es um das Selbstwertgefühl deiner Tochter?
  • Ist sie empfänglich für Feedback von anderen?
  • Was ist ihre Motivation für das Posten?

 


4. Posten kann Konsumdenken fördern

Laut einer Umfrage des Harris Poll wollen fast 30% der Kinder zwischen 8 und 12 Jahren YouTuber werden. Fast die Hälfte der 13- bis 18-Jährigen träumen davon, Influencer zu sein (Morning Consult). Warum wünschen sie sich diesen Beruf?

Für manche geht es um Ruhm oder kreative Selbstverwirklichung.
Aber für viele geht es ums Geld – wie ein Artikel der Washington Post zeigt.
Und um Geld zu verdienen, muss man meist Produkte bewerben.

Konsumdenken kann dazu führen, dass ein Kind seinen Wert an Dingen misst – mit Auswirkungen nicht nur auf die Psyche, sondern auch auf die Umwelt.

Weiß deine Tochter, was Konsumdenken und Materialismus bedeuten? Versteht sie, wie das mit dem Klimawandel zusammenhängt?


5. Achtung, digitaler Fußabdruck

Wie die Kinderschutz-Aktivistin Sarah Adams (mom.uncharted) erklärt:

„Wenn deine Tochter ein Video postet – selbst wenn es nur darum geht, wie sie Lipgloss aufträgt oder ihre Morgenroutine zeigt – wird dieser Inhalt Teil ihres digitalen Fußabdrucks.
Das kann sie noch Jahre später begleiten.
Was jetzt harmlos wirkt, kann später von Arbeitgebern, Schulen, Mitschülern oder auch Leuten mit schlechten Absichten gefunden werden.“

Ein weiteres Thema ist die Privatsphäre.
Solche Videos verraten oft mehr, als wir denken – den Grundriss eures Hauses, ihre Schuluniform, persönliche Gewohnheiten oder sogar ihren Standort.
Einmal online – ist die Kontrolle darüber weg.

Hast du mit deiner Tochter über digitale Fußabdrücke gesprochen?
Versteht sie, dass das Internet nichts vergisst – und was das bedeutet?


Abschließende Gedanken…

Letztendlich wollen wir unsere Töchter stärken – sowohl in der echten Welt als auch online.
Selbstausdruck und Kreativität sind wunderbare Dinge. Aber wir müssen die Motive und möglichen Konsequenzen im Blick behalten.

Besonders jüngere Mädchen können diese Feinheiten oft noch nicht erfassen – und deshalb liegt es an uns, sie zu lehren und zu begleiten.